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Interview im JAZZ 'N' MOORE Magazin vom 6/2001 von Cla Nett   zurück

 

Peter Kane, geboren in LA, kam mit seiner Familie in seiner frühen Jugend in die Schweiz. Nach den Erfolgen in den 80er Jahren mit den Gruppen "Millerkane" und "Steps", bei denen sogar Chart-Positionen erreicht wurden, legt der Gitarrist, Sänger, Komponist und Musiklehrer sein zweites Soloalbum vor, bei dem er sich wiederum ganz dem Blues verschrieben hat. JAZZ'N'MORE hat mit ihm über seine Tätigkeit als Musiker und Lehrer und über sein Verständnis des Blues gesprochen.

JNM: Peter Kane hat jetzt sein zweites Soloalbum herausgegeben. Deine Musik bewegte sich aber nicht immer im Bereich des Blues. kannst du mir deinen musikalischen Werdegang noch näher beschreiben?
PK: Für mich ist dieser Werdegang wie ein Kreis. Ich habe mit dem Blues angefangen, als noch niemand davon sprach. Es gab keine Lehrer und keine Lehrmittel für diese Sparte der Musik. Ich musste mir selbst helfen, vielleicht war das aber gut so. Ich habe dann mit Kollegen in einer Coverband gespielt Später gründeten wir die stark von den"classic" Rockern "Yes" inspirierte Gruppe "Millerkane". Ein nächster Schritt führte dann zu den "Steps", die viel rockiger daherkamen. Ich möchte mich nicht unbedingt als "Blueser" - auch nicht als "Rocker" bezeichnen. Ich fühle mich als Musiker und habe nie einen Stil aus dem Grund gespielt, weil damit Geld zu verdienen war oder weil er gerade im Trend lag. Das sage ich auch meinen Schülern: Lerne möglichst viel von allen Stilrichtungen und filtriere das Beste für dich heraus, das ergibt zusammen diene Stimme. Es ist ja nicht mehr möglich etwas Brandneues zu erfinden, deshalb entwickelt man sich zum gesammelten Ausdruck dessen, was man am liebsten und meisten hört. Im Grunde genommen war dies auch mein Werdegang. Vielleicht kommt derjenige Musiker weiter, der sein Leben lang nur immer einen Stil verfolgt - für mich stimmte das aber so nicht.
     
JNM: Wann kam denn bei dir diese Rückbesinnung auf den Blues?
PK: Wir haben es damals geschafft, mit den Steps in die Staaten zu gehen und dort ein Album aufzunehmen und waren nahe am Durchbruch. Als wir dann in die Schweiz zurückkamen, wurde ich der Sache bald einmal überdrüssig und beschloss, mich auf meine Musikschule zu konzentrieren. Nebenbei leitete ich eine Bluesband, die sich auf Coverversionen konzentrierte. Das hat so viel Spass gemacht, dass ich dabei geblieben bin. Für diese Art Musik kam eben auch vom Publikum her ein unerwartet intensives Feedback. Ich habe dann selbst angefangen Bluessongs zu schreiben, strich nach und nach die Covers aus dem Repertoire und habe jetzt rund 40 eigene Songs. damit könnte man vom Material her noch zwei weitere CDs produzieren.
 
JNM: Woher stammen deine Einflüsse im Blues?
PK: Meine Einflüsse gehen weit zurück: Beispielsweise Clapton mit John Mayall, oder Mick Taylor in seiner "Bluesbreakers"-Zeit - er ist ein dermassen unterschätzter Gitarrist. Dann "Cream", etwas Hendrix. Auch schwarzen Blues habe ich mir angehört, doch eigentlich ziehe ich den britischen Blues der Endsechziger und frühen 70er Jahre vor. Ich habe auch Claptons Vorbilder im Schrank stehen, aber für mich haben wiederum die Briten etwas Gutes aus diesen Vorbildern herausgenommen und weiterentwickelt. Verückt, dass genau diese Leute den Blues später wieder in sein Ursprungsland zurückgebracht haben.
 
JNM: Beim Anhören des Albums entsteht der Eindruck, dass da einiges an Stevie Ray Vaughan und Robben Ford mitschwingt. Täuscht dieser Eindruck?
PK: SRV bewunderte ich als grossartigen Gitarristen mit seiner schier unheimlichen Intensität, kannte aber bereits alle seine Riffs und Licks dank meiner Arbeit an der Musikschule. Sie stammen von Albert King, B.B. King und so weiter; das war für mich nicht neu. Das waren Supergitarristen, haben mich aber eigentlich nicht beeinflusst. Dagegen habe ich Clapton intensiv analysiert - und Mick Taylor übrigens auch - deren Einfluss auf mein Spiel war bedeutend grösser. Das flüssige Gitarrenspiel von Mick Taylor ist bis heute unerreicht, seine Soli klingen wie komponiert und sind doch improvisiert.
 
JNM: Robben Ford?
PK: Robben Ford habe ich immer gerne gehört. Es ist nicht nur 12-Takt-Blues... überhaupt diese Reduktion des Blues auf 12 Takte ist für mich schwierig. Ich möchte eigentlich einfach Musik machen, deren Basis der Blues ist. Darum habe ich auch das Album"Millenniumblues" genannt. es soll zeigen, dass auch im Blues eine Weiterentwicklung möglich ist. Manchmal denke ich mir, eine traditionelle Spielrichtung brächte vielleicht mehr Leute zu unseren Konzerten, aber das ist nicht mein weg. Diejenigen, die meine CD gekauft und angehört haben, sind, wenn sie an eines unserer Konzerte kommen, ganz andere Zuhörer als diejenigen, die einfach den ganzen Abend den Shuffle hören wollen.
 
JNM: Wie sind die Reaktionen auf dein neues Album?
PK: Beim ersten Album hatte ich eigentlich doppelt so viele Reaktionen, aber das liegt auch an der Zeit, an der Fülle der Berichte und Neuerscheinungen. Die Rezensionen, die ich aber bisher gesehen habe, sind alle positiv, und doch hilft dir das allein nicht weiter.
 
JNM: Hilft dir denn die Live-Musik weiter?
PK: Kommen die Leute wegen dir an ein Konzert, kannst du dir ein Stammpublikum schaffen. Bei diesem Popa-Chubby-Konzert, das ausgefallen ist, sind wir in die Lücke gesprungen, und dabei habe ich bemerkt, dass viele Leute, die im Saal blieben, speziell wegen uns gekommen sind, Es wäre wichtig auch ein neues Publikum heranzukommen. Die notwendige musikalische Ueberzeugungsarbeit liegt dann nur noch bei uns.
 

JNM: Wie wichtig ist den eure Plattenfirma, Disques Office, für euer Weiterkommen?
PK: In der Deutschschweiz kommen wir dank tatkräftiger Unterstützung ihres hiesigen Vertreters gut voran, aber die CD ist in der Romandie nicht erschienen, das scheint einfach eine andere Welt zu sein. Die Situation auf dem Musikmarkt ist heutzutage offenbar generell extrem schwierig. Zum Beispiel hat der Tages Anzeiger über meine CD nicht eine einzige Zeile gebracht. Wie soll man da überleben können.

 

JNM: Was steht nächstens an Konzerten ins Haus?
Ich mache zurzeit Einzelkonzerte, keine Tourneen.

JNM: Wie hat sich die Konzertsituation, die Menge der Auftrittsmöglichkeiten in den letzten Jahren für dich entwickelt?
PK: Sie hat sich eher verschlechtert. Wir hatten zum Beispiel mit der ersten CD einen super Gig an der Luzern Blues Session, aber mittlerweile nehmen diese keine Schweizer Bands mehr. es gibt auch kaum mehr Konzertlokale, wo man einigermassen anständige Gagen erhält. Immerhin haben wir eine Anfrage von einem grossen Bluesfestival in Cognac erhalten!

JNM: Wie steht es mit deiner Band?
PK: Ich mache jetzt etwas, das ich eigentlich lange nicht machen wollte. Ich war immer der Typ, der für eine feste Band eintrat. Vor ein paar Monaten habe ich mich entschieden, dass ich mit zwei verschiedenen Besetzungen auftrete. Wenn es geht, habe ich die Keiser Brothers in der Rhythm Section und wenn es diesen nicht geht, habe ich noch eine Ausweichbesetzung. Im Endeffekt wollte ich einfach nicht mehr wegen fehlender Begleitmusiker einen Gig absagen müssen.

JNM: Es ist aber immer noch das Trioformat wie auf deinem Album:
PK: Ja, da möchte ich noch was loswerden! Auf dem Album waren nur vier Songs Mit Keyboard. Du hast das Album in deiner Kritik als zu geschliffen bezeichnet. Dem ist aber nicht so. Wir haben das Ganze im Trio eingespielt in einem einzigen Tag - 100% live im Studio - und dann noch ein paar wenige Overdubs gemacht. Ich bin unheimlich stolz auf dieses Album und es ist weit weg davon geschliffen zu sein.

JNM: Kann man eigentlich mit der Musik eine vernünftige Existenz sichern?
PK: Von Auftritten alleine kann man in der Schweiz nicht leben. Ich habe schon ewig lange eine eigene Musikschule und gebe dort Gitarren- und Bassunterricht. Dies lässt mir die Freiheit das zu tun, was ich wirklich will. Ich habe immer nur die Musik gespielt, die ich wirklich wollte. Wahrscheinlich bin ich auch darum heute noch dabei und zudem kreativ wie nie zuvor. Ich habe auch zwei Musiklehrbücher ("Solomania" und "Rhythomania") geschrieben.

JNM: Wie steht den die Entwicklung der Schülerzahlen aus?
PK: Ich erlebte über alle die Jahre einen stetigen Rückgang bis in diesen Sommer. Zuerst hatte ich Wartelisten für meine Schüler, dann musste ich mich immer intensiver um neue Schüler bemühen und die Tendenz war rückläufig. plötzlich sind aber seltsamerweise die Schülerzahlen nach diesem Sommer explodiert. Ich weiss auch nicht ob das die Trendwende ist, aber es stimmt mich zuversichtlich.

JNM: Sind die speziellen Stilrichtungen bei den angehenden Schülern gefragt?
Nein, es wird querbeet alles verlangt und ich unterrichte auch alle Stilrichtungen ausser Klassik.

JNM: Hast du noch eine letzte Aussage, die wichtig wäre?
PK: mein Wunsch an das Publikum ist einfach, dass es offen ist und zuhört und nicht in vorgefassten Erwartungshaltungen verharrt! Der Blues darf ja nicht stillstehen und ich will auch nicht stehen bleiben und ich finde ein "You better watch yourself" oder "Nightfly" vom neuen Album das sind Songs mit einer eigenen Handschrift und möchte die einfach weiterziehen und fördern.

 

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CD-Kritik 5.2001 JAZZ'N'MOORE